Frederico ist ein Kind zweier Kontinente. Seine Mutter Mido ist Japanerin, sein Vater Tiziano ist Italiener. Eines schönen Tages, mitten in der Kirschblütezeit, reiste Tiziano nach Japan. Dort traf er auf Mido. Schnell verliebten die beiden sich ineinander und heirateten. Doch Mido weigerte sich, für Tiziano zu lernen, wie man italienisch kocht. Ich Sushi, du Pizza, sagte sie oft in ihrem brüchigen Italienisch zu ihm. „Nix Sushi, Pizza“, erwiderte Tiziano in seinen nicht minder brüchigen Japanisch dann. Er erklärte Mido, dass er nicht ewig leben könnte nur von Sushi. Pizza, wie überhaupt die italienische Küche sei in seinen Genen verwurzelt, er befürchte, eines Tages noch Mangelerscheinungen zu bekommen ohne sein heißgeliebtes Basilico und von all den Algen würde ihm bald noch schlecht. Mido seufzte, wenn sie das hörte. „Besser ist Sushi, Pizza nicht gesund“, versuchte sie ihn dann zu überzeugen. Von all den Vorteilen der japanischen Ernährung schwärmte sie ihm dann vor, doch Tiziano blieb standhaft und forderte von ihr, dass sie die Hälfte der Zeit in Japan leben sollten und die andere Hälfte in Italien.
Ein guter Kompromiss, wie er fand. Ihr Sohn Frederico jedoch machte diesem Plan ein Ende, sobald er eingeschult wurde, er konnte nicht ständig die Schule wechseln. Also setzte natürlich der temperamentvolle Tiziano sich durch. Mido musste von nun an damit leben, es selber zuzubereiten, ihr Sushi. Pizza kriegt man in Italien ja überall, aber wozu Sushi? Pizza ist die Krönung der Schöpfung, Gott muss ein Italiener gewesen sein, so viel steht fest. Diesen ganzen ausländischen Schnickschnack, no no! Vor allem dieser rohe Fisch im Sushi! Pizza war wenigstens ein Zeichen von kultivierter Kochkunst.
Und Frederico? Mochte zwar Nigiri und Sushi Maki mit viel Wasabi, Pizza-Bäcker erkor er sich aber zum Beruf. Doch die Worte seiner Mutter blieben ihm stets im Hinterkopf. „Du isst Sushi und Pizza - bist das Kind von uns beiden.“ Er aber wollte so gerne die unüberwindbare Distanz zwischen der italienischen und der japanischen Küche überwinden und seinen Eltern zeigen, dass keiner von beiden Recht hatte. Frederico schmiedete Pläne. Eine Sushi-Pizza wollte er kreieren! Oder vielleicht doch Sushi mit Pizza als Füllung? Er war unschlüssig, da er seine Eltern kannte. Würde er die Sushi-Pizza servieren, würde sein Vater sagen, dass das unterlegene Sushi von Pizza als dominantem Grund getragen würde. Andersherum würde seine Mutter zum Sushi mit Pizza sagen, dass ja das sieghafte Sushi die Pizza umhülle und daher hier die japanische Küche die überlegene sei. Frederico seufzte. Am besten wäre es, seine Eltern auszutricksen. Er bereitete beide Speisen zu, schnitt sie klein und verband seinen Eltern die Augen. Dann fütterte er sie mit beiden Varianten und fragte sie dann, welche besser gewesen sei. Tiziano verkündete ohne zu Zögern die Erste; Mido überlegte kurz und antwortete dann, nur um nicht der gleichen Meinung zu sein wie ihr Mann, die zweite habe ihr um Längen besser geschmeckt. Frederico sagte: „Papa mag Sushi mit Pizza-Füllung und Mama Sushi-Pizza! Dass ich das noch erleben darf!“ Erstaunt sah sich das Ehepaar an und brach dann in Lachen aus.