Lead mini grill 20
February 17, 2021 (Aktualisiert March 5, 2021)

Das Geheimnis hinter dem perfekten Grillhähnchen

Diesen Monat auf The Takeaway, schauen wir Behind The Menu Deines Lieblingsrestaurants, das auch zu Dir nach Hause liefert.

Wir übertreiben wohl nicht, wenn wir sagen, dass der Mini-Grill zum Hamburger Kiez dazugehört. Seit über 50 Jahren wird hier die Liebe zu Grillhähnchen, Currywurst, Schaschlik & Co. spürbar.

Wir nehmen Dich mit in den Mini-Grill und treffen Mitbetreiber Marc, der den Laden von seinen Eltern übernommen hat. Er erzählt uns, wie er als gelernter Informatiker zum Kochen gefunden hat, was den Mini-Grill ausmacht – und was er in Zeiten der Corona-Pandemie besonders vermisst.

Wie würdest Du den Mini-Grill jemandem beschreiben, der noch nie hier gegessen hat?

Ich würde den Mini-Grill jemandem, der noch nie hier war, als etwas Besonders beschreiben. Du findest kaum noch irgendwo ein richtig gutes Grillhähnchen und vor allem auch eins, das wirklich auch ehrlich ist. Unseres kommt ja von den Freilaufhühnern, wir machen hier bei uns im Mini-Grill alles selbst – von der Gewürzmischung bis zum Ketchup. Die Mayo wird für uns produziert, die findest Du kein zweites Mal, und wir machen die Salate hier selbst.

“Du findest kaum noch irgendwo ein richtig gutes Grillhähnchen und vor allem auch eins, das wirklich auch ehrlich ist.”

Es ist halt noch ein wirklich ehrliches und günstiges Essen. Wir möchten auch, dass jeder sich das erlauben kann, also egal, ob ein Multimillionär oder ein Obdachloser hierherkommt – er soll genauso in den Geschmack unseres Hähnchens, der Currywurst oder des Schaschliks kommen wie jeder andere.

Was macht Mini-Grill Deiner Meinung nach besonders?

Das ist ganz einfach zu beantworten. Seit 54 Jahren – wir machen das hier in der Familie – haben wir immer die gleiche Qualität. Wir achten sehr darauf, dass alles so bleibt, wie es ist, und dass der Kunde immer noch das gleiche Essen bekommt, wie er es beim ersten Mal im Mini-Grill bekommen hat.

Wie würdest Du den Charakter und Stil des Mini-Grills beschreiben, wenn es um das Essen geht?

Beim Mini-Grill ist der Name Programm: Du kannst beim Tresen, falls Du mal hier auf‘m Kiez zu viel getrunken hast, nicht umkippen, weil der Laden so klein ist. Das Personal hat immer einen netten Schnack auf den Backen oder einen Spruch, der kommt ihnen immer entgegengeflogen, aber das ist hier halt so, auf dem Kiez, und das macht das natürlich auch aus.

“Es ist halt noch ein wirklich ehrliches und günstiges Essen.”

Wir sind hier auf dem Kiez wie eine kleine Familie. 95 % der Leute sind Stammkunden, die aus dem gesamten Hamburger Gebiet kommen. Und ich habe sogar Leute, die kommen, wenn sie aus den USA oder aus Australien oder sonst woher kommen, erst einmal hier in den Mini-Grill, weil sie mal wieder ein geiles Hähnchen essen wollen. Wir haben hier die Polizei neben Gangstern stehen und hier vertragen sich auch alle – alle haben sich gern, alle haben sich lieb, weil sie einfach nur ein geiles Hähnchen essen wollen.

Welche Veränderungen hast Du im Laufe der Jahre in der Branche und in der Stadt beobachtet?

Also drum herum hat sich sehr viel entwickelt. Es wurde urbaner, das Szeneviertel ist ja immer weiter herausgekommen, und Du hast den Tourismus hier sehr stark mit reinbekommen, also es ist sehr, sehr international geworden. Jeder zweite Kunde hat einen Migrationshintergrund und mittlerweile musst Du Englisch sprechen können. Also es ist nicht mehr so, dass Du nur den Hamburger Schnack hier hast, sondern man muss international werden.

Es ist kein Geheimnis, dass das letzte Jahr nicht genau das Jahr geworden ist, das wir erwartet haben. Glaubst Du, dass die aktuelle Corona-Krise das Essen und die Mahlzeiten wichtiger gemacht hat?

Corona ist natürlich für uns alle und für die gesamte Branche ein schwerer Schlag gewesen, auch hier bei uns. Ich vermisse es einfach, dass die Kunden lange im Laden bleiben können, dass sie bei mir an der Theke essen können und dass Du schnacken kannst. Denn gerade auch hier erfährst Du den Klatsch auf dem Kiez, und Klatsch geht natürlich immer gut rum. Und gerade als Betreiber hier musst Du natürlich auch mitreden können.

Wenn Du aber nicht viel zum Reden hast, weil es dieses Social Distancing gibt – zum Beispiel wenn ein St. Pauli Spiel war, dann empfindest Du auch gar nicht die Freude wie sonst, wenn wir ein Spiel hatten und die Jungs gewonnen haben. Dann kommen die Fans hier rein, stehen bis über die Straße, holen sich ihr kühles Astra und dazu ein geiles Schaschlik. Das hast Du jetzt nicht mehr, und das ist schon ziemlich traurig und hart.

Und mir tun alle anderen Leid, die davon betroffen sind und die nicht wie wir noch außer Haus verkaufen und liefern können. Für das Viertel hier ist es sehr schlimm, der Kiez ist dadurch wirklich teilweise zu einer Geisterstadt geworden. Früher waren die Straßen hier voll; jetzt, wenn Du abends hier entlangläufst, bist Du froh, wenn Du mal jemanden siehst.

Wir wissen, dass, wenn man einen Chefkoch bittet, sein Lieblingsgericht zu nennen, es ungefähr dasselbe ist, wie wenn man Eltern nach ihrem Lieblingskind fragt. Aber wenn Du Dich entscheiden müsstest: Welches Gericht von Mini-Grill würdest Du als Dein Lieblingsgericht betrachten und warum?

Also wir haben ja eine ziemlich kleine Karte – was ich persönlich auch sehr gut finde, denn wenn Du größere hast, die alles anbieten, das ist ja meistens Schrott; Du kannst nicht alles machen. Das Hähnchen ist bei uns natürlich Standard, aber ich würde mal sagen: Probiert mal gerne die scharfe Currywurst, und vor allem habe ich auch richtig geiles Schaschlik.

Dafür hole ich das Fleisch noch selbst vom Fleischgroßmarkt, suche mir die Stücke selbst aus, schneide es dann hier zurecht, schneide frische Zwiebeln. Die stecke ich dann mit dem Fleisch zusammen auf unsere Schaschlik-Spieße und danach werden sie richtig kross braun angebraten. Danach kommen sie dann für ungefähr zwei Stunden in die Sauce und werden schön richtig zart-butterweich durchgekocht, damit unsere eigene Haus-Schaschlik-Sauce, die wir auch selbst machen, richtig einmal schön durch das Fleisch zieht.

“Probiert mal bei uns gerne die scharfe Currywurst, und vor allem habe ich auch richtig geiles Schaschlik.”

Und danach pack‘ ich Dir das auf den Teller! Und es ist mit eines der besten Erlebnisse, wenn Du dazu noch unsere frischen Fritten oder einen richtigen geilen selbstgemachten Salat mitnimmst.

Wie ist es eigentlich gekommen, dass Du den Mini-Grill übernommen hast?

Das ist eigentlich wie jeder Weg, bis Du endlich mal am Ziel bist, keine gerade Linie gewesen, sondern eher ein Slalom. Damals war es so: Nach meinem Abitur habe ich mich selbstständig gemacht in der IT. Ich bin eigentlich gelernter Fachinformatiker für Systemintegration und habe auch lange dort gearbeitet. Dann, mit 21, als ich nach einem Auslandsaufenthalt wieder nach Hamburg kam, weil es mir dort nicht wirklich gefallen hat, habe ich mir gedacht: „Ja, was machst du jetzt?“

Meine Eltern haben mich immer davor gewarnt, in die Gastronomie zu gehen, weil das wirklich ein knochenharter Job ist. Du musst immer 110 % geben, Du musst voll dahinterstehen, Du musst genau wissen, was Du tust. Aber ich habe gedacht, okay, gut, egal, Deine Eltern haben den Background und Du bist damit aufgewachsen – also ich bin eigentlich im Hähnchengrill aufgewachsen, wenn man so will. Meinen ersten Laden hatte ich dann in Hamburg-Rahlstedt, den habe ich 6 Jahre betrieben. Und dann war es irgendwann so, dass meine Eltern gesagt haben: „Du machst das, das läuft ja alles – willst Du denn nicht den Mini-Grill auch noch mitmachen?“ Und ich dann so: „Ne, zwei Läden gleichzeitig, ein Laden reicht“, und dann habe ich mir gesagt: „Verkaufst Du den halt!“, und bin hier auf dem Kiez gelandet.

“Ich komme jeden Tag mit einem Lächeln zur Arbeit.”

Und ich fühle mich hier sauwohl, ich liebe das! Es ist geil, man ist gut angekommen, die Kunden sind geil, die Menschen sind geil, das Umfeld ist geil, das Viertel ist eh das geilste, der Fußballclub ist geil. Und Du hast hier auch mit Persönlichkeiten zu tun. Was Du einfach über Menschen erfährst und wie Du die siehst, das ist einfach unglaublich, und das macht einen immer wieder froh. Ich komme jeden Tag mit einem Lächeln zur Arbeit, und freue mich, Euch geile Hähnchen zu servieren.

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