Was ist eine Krankenversicherung?

In Deutschland ist die medizinische Versorgung der Bevölkerung auf einem hohen Standard, doch Arztbesuche, Medikamente oder Operationen kosten eine Menge Geld. Zum Glück übernimmt die Krankenversicherung die meisten dieser Kosten. Sie zählt zu den Sozialversicherungen, die in der Bundesrepublik auf dem Solidaritätsprinzip beruhen. Das bedeutet: Alle zahlen einen einkommensabhängigen monatlichen Beitrag und können im Gegenzug bei Bedarf alle Leistungen der Krankenkasse in Anspruch nehmen. Auf diese Weise finanzieren junge und gesunde Versicherte die Kosten für Ältere und chronisch Kranke mit. Wirklich alle?

Tatsächlich gibt es in Deutschland eine Krankenversicherungspflicht in der Gesetzlichen Krankenkasse (GKV) für bestimmte Personengruppen – etwa 90 Prozent der Bevölkerung sind gesetzlich versichert. Menschen mit hohem Einkommen sowie Selbstständige haben aber die Wahl, alternativ eine private Krankenversicherung abzuschließen. Und dann gibt es noch die sogenannte freiwillige Krankenversicherung sowie die Option der Familienversicherung und die Studentische Krankenversicherung (KVdS). Dieser Artikel befasst sich mit dem Thema: Was ist eine Krankenversicherung, wer braucht sie und wer bezahlt sie?

Krankenversicherung in Deutschland

Was ist eine Krankenversicherung und warum brauchst du sie?

Jeden Monat werden dir Beiträge zur Sozialversicherung von deinem Gehalt abgezogen. Der Löwenanteil davon entfällt auf die Krankenversicherung. Grund genug, einmal genauer hinzuschauen: Was ist eine Krankenversicherung? Dabei handelt es sich um eine wesentliche Säule des deutschen Sozialversicherungssystems – und die älteste. Otto von Bismarck führte 1883 die erste Krankenversicherung für Arbeiter:innen ein, damit auch Geringverdienende Zugang zu einer medizinischen Versorgung erhielten. Warum ist das notwendig? Mit einer Krankenversicherung für die gesamte Bevölkerung ergeben sich viele Vorteile:

  • Krankheiten werden nicht verschleppt,

  • Folgeschäden und Folgekosten werden vermieden,

  • Erkrankte sind schnell wieder arbeitsfähig,

  • Infektionskrankheiten lassen sich besser eindämmen,

  • Durch Prävention und Früherkennung lassen sich Krankheiten verhindern oder rechtzeitig behandeln.

In Deutschland gibt es neben der GKV noch andere Möglichkeiten, sich zu versichern. Die Bedingungen, Kosten und Leistungen unterscheiden sich.

Was ist eine gesetzliche Krankenversicherung?

Die meisten Menschen in Deutschland sind sozialversicherungspflichtig und somit krankenversichert. Die Pflichtversicherung in der GKV betrifft Menschen mit Einkommen zwischen 603,01 Euro im Monat (oberhalb der Minijob-Grenze) und der Jahresarbeitsentgeltgrenze von 77.400 Euro im Jahr 2026:

  • Angestellte

  • Arbeiter:innen

  • Auszubildende

  • Studierende

  • Rentner:innen

  • Mitversicherte Ehepartner:innen und Kinder

  • Personen ohne Einkommen

Durch den umfassenden gesetzlichen Krankenversicherungsschutz bist du in den meisten gesundheitsrelevanten Bereichen abgesichert. Der Leistungskatalog der Krankenversicherung umfasst:

  • eine ausreichende medizinische Krankenbehandlung, die bedarfsgerecht ist und dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft entspricht, wirtschaftlich ist und das Maß des Notwendigen nicht überschreitet,

  • Behandlung durch Ärzt:innen, Zahnärzt:innen und Psychotherapeut:innen,

  • Kosten für Arznei-, Verbands-, Heil- und Hilfsmittel,

  • Krankenhausbehandlungen,

  • häusliche Krankenpflege,

  • Leistungen zur medizinischen Rehabilitation

  • und einiges mehr.

Die Leistungen unterscheiden sich je nach Krankenkasse, auch die Beitragssätze.

Was ist eine private Krankenversicherung?

Überschreitest du mit deinem Einkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze von 77.400 Euro (im Jahr 2026) und wird dein Einkommen auch im folgenden Jahr darüber liegen, gilt für dich keine Pflichtversicherung mehr in der GKV. Du genießt Versicherungsfreiheit. Das bedeutet, dass du von nun an in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln darfst. Diese Option haben auch Freiberufliche und Selbstständige. Allerdings musst du bedenken, dass der Wechsel zurück zur gesetzlichen Krankenversicherung mitunter schwierig bis unmöglich ist. Doch was unterscheidet die Private von der Gesetzlichen und welche Vor- und Nachteile hat die Privatversicherung?

Pro Privatversicherung

Kontra Privatversicherung

Bessere Ärzt:innenwahl

Hohe Beiträge für ältere und kranke Menschen

Schnellere Fachärzt:innentermine

Patient:innen müssen Rechnungen für ärztliche Leistungen bei der PKV einreichen und das Geld an die Ärzt:innen überweisen

Umfassendere Leistungen

Ältere Personen werden oft von der PKV ausgeschlossen

Geringe Beitragshöhe für junge und gesunde Menschen

Behandlungen für Vorerkrankungen werden nicht übernommen

Krankenversicherungsschutz im Ausland

Gesundheitsprüfung

Versicherungszuschuss vom Arbeitgebenden, maximal 508,59 Euro/Monat

Wartezeiten zwischen 3 und bis zu 8 Monaten bis zur Leistungsübernahme

 

Es gibt keine beitragsfreie Familienversicherung

Darüber hinaus gibt es private Zusatzversicherungen, mit denen gesetzlich Versicherte weitere Leistungen versichern können. Dazu zählen Kosten für eine Chefärzt:innenbehandlung, Zahnersatzkosten oder solche für Brillengläser.

Was ist eine freiwillige Krankenversicherung?

Alle Menschen, die in Deutschland nicht unter die Pflichtversicherung fallen, vorher aber in der GKV versichert waren, können sich freiwillig selbst versichern. Das betrifft:

  • Arbeitnehmer:innen mit einem Gehalt über der Jahresverdienstgrenze von 77.400 Euro,

  • Selbstständige und Freiberufler:innen,

  • Studierende ohne Familienversicherung und Studentische Krankenversicherung,

  • Rentner:innen mit zu geringen Vorversicherungszeiten,

  • Beamt:innen und Pensionäre,

  • Kinder, die nicht familienversichert sein können,

  • Minijobber:innen ohne Krankenversicherung,

  • erwerbslose Personen ohne Familienversicherung und Krankenversicherung übers Arbeitsamt.

Wenn du dich freiwillig versichern willst, ohne vorher in der GKV versichert gewesen zu sein, ist das auch möglich für:

  • erstmals in Deutschland Beschäftigte mit Monatsgehältern von mehr als 6.450 Euro (2026),

  • nach einer Auslandsbeschäftigung zurückkehrende Beschäftigte mit Monatsgehältern von mehr als 6.450 Euro (2026),

  • erstmals in Deutschland Beschäftigte und nach einer Auslandsbeschäftigung zurückkehrende Beschäftigte mit gesetzlichen Vorversicherungszeiten im Ausland,

  • Zeitsoldat:innen nach Ende der Dienstzeit.

Wer zahlt die Krankenversicherung und was kostet sie?

Angesichts des Leistungsumfangs sind die Kosten für einzelne Versicherte gering. Wer zahlt für die Krankenversicherung? Die Beiträge zur GKV sind in Deutschland solidarisch aufgeteilt. Doch wer zahlt mehr für die Krankenversicherung: Arbeitgeber:in oder Arbeitnehmer:in? Beide zahlen gleich viel. Der Beitragssatz berechnet sich prozentual zum Gehalt und wird jährlich neu festgelegt. Und so finanziert sich die GKV:

Allgemeiner Beitragssatz 2025 

14,6 %

Anteil Arbeitnehmer:in

7,3 %

Anteil Arbeitgeber:in

7,3 %

Einkommensabhängiger Zusatzbeitrag 2026 (Durchschnitt)

2,9 %

Bundeszuschuss aus Steuermitteln

14,5 Milliarden Euro im Jahr (seit 2024), außerdem ergänzende Bundeszuschüsse für besondere Aufwendungen

Den prozentualen Anteil für die GKV musst du bis zu einem Verdienst von 6.150,00 Euro monatlich leisten. Mehrverdienst ist beitragsfrei. Der Bundeszuschuss finanziert Sonderausgaben wie die beitragsfreie Familienversicherung.

Wie viel kostet eine private Krankenversicherung?

Je nach Versicherung und Leistungsumfang unterscheiden sich die Beiträge für die private Krankenversicherung. Die Beitragshöhe hängt vom Alter und dem Gesundheitszustand bei Versicherungseintritt ab.

Wann lohnt sich eine private Krankenversicherung?

Für junge und gesunde Menschen mit hohem Einkommen lohnt sich die Private, weil sich die Beitragssätze weniger am Gehalt orientieren. Durch den Arbeitgeber:innenzuschuss sinkt die Belastung weiter. Beamt:innen erhalten sogar 50 % Beihilfe und brauchen nur eine Restkostenversicherung.

Selbstständige und Freiberufler:innen profitieren bei der Privaten von niedrigeren Beitragssätzen als in der Gesetzlichen. Das ist besonders wichtig, da sie auch den Arbeitgeber:innenanteil tragen müssen. Achtung: Für Selbstständige im künstlerischen oder publizistischen Bereich besteht Versicherungspflicht bei der Künstlersozialkasse (KSK). Die Stiftung fungiert als Arbeitgeber:in und übernimmt den entsprechenden Sozialversicherungsanteil.

Wo wird die private Krankenversicherung in der Steuererklärung eingetragen?

Bei der Steuererklärung kannst du die Kosten für die private Krankenversicherung in der Anlage für Vorsorgeaufwendungen ab Zeile 23 eintragen.

Wer zahlt, wenn keine Krankenversicherung besteht?

In Deutschland gilt zwar eine Krankenversicherungspflicht, aber wer keine abschließt, macht sich nicht strafbar. Personen ohne festen Wohnsitz haben meist keine Krankenversicherung. Es trifft auch Selbstständige, deren Unternehmen zu wenig abwirft, als dass sie sich die Beiträge zur PKV leisten könnten. Wenn sie erkranken, verschulden sie sich häufig. Akute Notfälle werden zwar behandelt, doch die medizinische Versorgung ist für diese Personen eingeschränkt. Öffentliche Anlaufstellen bieten ebenfalls Hilfe. Eine Rückkehr in die GKV ist zwar möglich, aber teuer: Mit jedem Jahr ohne Versicherungsschutz berechnet die Kranken­versicherung eine rückwirkende Zahllast.

Krankenversicherung für Studierende

Auch im Studium brauchst du eine Krankenversicherung. Da die meisten Studis nicht viel Geld haben, darf auch die Krankenversicherung nicht viel kosten. Wie wäre es mit gar nichts? Das ist im Rahmen der Familienversicherung über die Eltern möglich. Allerdings gilt die Option nur für gesetzlich versicherte Eltern, da die PKV keine beitragsfreie Familienversicherung anbietet. Für Kinder endet die Familienversicherung, wenn sie über 18 Jahre alt und erwerbstätig sind. Ausnahmen gelten, wenn sie

  • unter 23 Jahre alt und nicht erwerbstätig sind sowie eine Schule besuchen,

  • unter 25 Jahre alt sind und eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren.

Ist keine Familienversicherung möglich, gibt es die Studentische Krankenversicherung.

Warum müssen Student:innen eine Krankenversicherung zahlen?

Es gibt eine Versicherungspflicht für Student:innen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Um der Pflicht Genüge zu tun, gibt es die Optionen:

  • Familienversicherung,

  • Studentische Krankenversicherung (KVdS),

  • Private Krankenversicherung nach Befreiung von der Versicherungspflicht – diese Entscheidung ist für das gesamte Studium bindend.

Wenn du neben dem Studium jobbst, musst du die Verdienstgrenzen beachten, die für die jeweilige Versicherung gelten. Seit dem Wintersemester 2024/2025 sind diese an die Höhe des aktuellen Mindestlohns gekoppelt. Studierende dürfen in 2026 monatlich bis zu 603 Euro verdienen, ohne dass ihr BAföG gekürzt wird.

Was kostet die Krankenversicherung für Studierende ab 25?

Ist das Studium mit 25 Jahren noch nicht abgeschlossen, musst du von der Familienversicherung in die Studentische Krankenversicherung wechseln. Es gilt ein reduzierter monatlicher Beitragssatz von 10,22 Prozent (87,38 Euro) auf Basis des aktuellen BAföG-Bedarfssatzes für nicht bei ihren Eltern wohnende Studierende (992 Euro monatlich). Dazu addieren sich der individuelle Zusatzbeitrag der Krankenkasse und die Beiträge zur Pflegeversicherung. Diese belaufen sich im Monat auf:

Was kostet die Krankenversicherung für Studierende ab 25?

Ist das Studium mit 25 Jahren noch nicht abgeschlossen, musst du von der Familienversicherung in die Studentische Krankenversicherung wechseln. Es gilt ein reduzierter monatlicher Beitragssatz von 10,22 Prozent (87,38 Euro) auf Basis des aktuellen BAföG-Bedarfssatzes für nicht bei ihren Eltern wohnende Studierende (855 Euro monatlich). Dazu addieren sich der individuelle Zusatzbeitrag der Krankenkasse und die Beiträge zur Pflegeversicherung. Diese belaufen sich im Monat auf:

Studierende unter 23 Jahren

Studierende über 23 Jahren

Studierende Eltern über 23 Jahren

30,78 Euro (3,60 Prozent)

35,91 Euro (4,2 Prozent)

30,78 Euro (3,60 Prozent)

Mit jedem weiteren Kind sinkt der Pflegeversicherungsbeitrag für studierende Eltern um 0,25 Beitragssatzpunkte.

Wann endet die studentische Krankenversicherung?

Die Versicherungspflicht für Student:innen in der Gesetzlichen Krankenversicherung besteht bis zum Ende des Semesters, in dem die:der Studierende 30 Jahre alt wird.

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Geschrieben von: Lieferando’s Fachabteilung

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